Wie funktioniert die Haushaltsrechnung bei Banken und Sparkassen?

Ein wesentlicher Faktor bei der Kreditentscheidung der Bank, Sparkasse usw. ist die sog. Haushaltsrechnung. Das ist nichts anderes als die Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben der Kreditnehmer. Das klingt simpel, hat aber durchaus seine Tücken.

Die Tücken stecken vor allm darin, dass Banken bei der Haushaltsrechnung für bestimmte Kostenpositionen Pauschalen ansetzen. So gibt es beispielsweise Pauschalen für die allgemeinen Lebenshaltungskosten, die Nebenkosten oder für jedes im Haushalt befindliche Kraftfahrzeug. Die Höhe dieser Pauschalen bestimmt jede Bank selbst.

So sieht eine einfach Haushaltsrechnung für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern aus:

 Haushaltsrechnung Beispiel

In dem Beispiel setzt die Bank eine fixe Pauschale für die Lebenshaltungskosten an. Es gibt aber auch Banken, die statt eines Fixbetrages mit einem bestimmten Prozensatz vom Nettoeinkommen rechnen. Auch bei den sog. "Bewirtschaftungskosten" gibt es von Bank zu Bank teilweise erhebliche Unterschiede.

Der Ansatz von Pauschalbeträgen sehen wir sehr kritisch. Es gibt nicht wenige Verbraucher, die sich bei der Frage "Kann ich mir die Immobilie leisten?" voll und ganz auf die Haushaltsrechnung "ihrer Bank" verlassen. "Na, wenn die sagen, dass ich mir das leisten kann, dann wird es schon funktionieren!". Das kann allerdings fürchterlich ins Auge gehen.

Lebenshaltungskostenpauschalen?

Gerade bei den Lebenshaltungskosten sollte sich jeder die Mühe machen, einen ehrlichen Kassensturz zu machen. Welche festen Kosten fallen im Haushalt an? Wieviel gibt man für Essen, Kleidung, Freizeit, Urlaub, Fahrkosten füpr den Arbeitsweg usw. aus? Hierzu sollten Sie über einen längeren Zeitraum (mindestens 3 Monate) alle Ausgaben erfassen.

Diese Haushaltsrechnung sollten Sie dann auf die Zeit nach dem Umzug in die neue Immobilie anpassen. Vielllleicht haben Sie höhere Ausgaben, um zur Arbeit zu kommen? Vielleicht verändern sich Kosten für die Kinderbetreuung?!

Sie werden schnell merken, dass die Pauschalbeträge, die Banken für die Lebenshaltungskosten ansetzen, fast nie zutreffen.

Bewirtschaftungskosten

Unter den Bewirtschaftungskosten versteht man zum einen die normalen Nebenkosten (Strom, Wasser usw.), zum anderen gehören dazu aber die Kosten für die Instandhaltung und laufende Modernisierung Ihrer Immobilie. Bei diesen Bewirtschaftungskosten ist es wie bei den Lebenshaltungskosten: Banken rechnen hier mit Pauschalbeträgen, die nicht immer etwas mit dem wahren Leben zu tun haben. Ein großes Problem sind dabei die möglichen Kosten für die laufende Instandhaltung und Modernisierung der Immobilie. Diese Kosten können je nach Alter, Zustand und Lage der Immobilie sehr unterschiedlich ausfallen. Wer da mit den Zahlen der Banken plant, liegt schnell daneben. Zur Ehrenrettung der Banken muss man sagen, dass Bankmitarbeiter keine Bausachverständige sind, die für ihre Kunden die möglichen Kosten der nächsten Jahre kalkulieren. Auch da ist Eigenverantwortung und Eigeninitiative gefragt.

Gerade Käufer einer älteren Immobilie sollten sich darüber klar sein, dass sie früher oder später Kapital für notwendige Modernisierungsarbeiten aufbringen müssen. Die meisten Käufer wissen das auch, handeln aber nach dem Einzug ins neue "alte Haus" ganz anders. Nur wenige bilden konsequent Rücklagen.

Wer eine Eigentumswohnung erwirbt, steht bzgl. der Kosten für die Instandhaltung und Modernisierung wesentlich mehr unter Sparzwang. Das liegt daran, dass die gesamte Eigentümergemeinschaft über das sog. Hausgeld entsprechende Rücklagen bildet. Diesem Zwang kann man sich als Eigentümer einer Eigentumswohnung nicht entziehen.

Fazit:

Verlassen Sie sich beim Bau oder Kauf einer Immobilie nicht auf die pauschalierten Berechnungen von Banken. Ob Sie sich die Immobilie tatsächlich langfristig leisten können (und wollen) hängt von ihrer individuellen Lebenssituation ab. Bei der ganz eigenen Haushaltsrechnung sollten Sie ehrlich zu sich selbst sein. Das gleiche gilt für die Kalkulation der Kosten für die laufenden Betriebskosten, die Instandhaltung und Modernisierung Ihrer Immobilie. Auch da sollten Sie sich nicht auf die Pauschalen der Banken verlassen, sondern die Kosten vom Alter und Zustand der Immobilie abhängig machen. Bei der Kalkulation der möglichen Modernisierungskosten hilft Ihnen ein Immobilien- bzw. Bausachverständiger, der Ihnen sagen kann, wann welche Gewerke "fällig" werden und welche Kosten man dafür einkalkulieren sollte.