Was kostet die Beratung bei einer Baufinanzierung?

Wer eine Immobilie kaufen/bauen und finanzieren will, braucht in der Regel eine gute Beratung. Entsprechende Beratungsangebote finden sich im Internet "ohne Ende". Die meisten Berater/-innen werben dabei mit "kostenloser Beratung". Aber kann wirklich sein? Schließlich arbeitet niemand umsonst. Wer trägt also die Kosten für die Baufinanzierungsberatung?

Um es gleich vorweg zu nehmen: als Verbraucher bekommen Sie für die Beratung durch Banken oder (freie) Vermittler meist keine Rechnung. Ausgenommen davon sind sog. Honorarberater(innen). Diese sind allerdings die große Ausnahme, denn die Honorarberatung konnte sich bislang in Deutschland aus verschiedenen Gründen nicht durchsetzen.

Das klingt erst einmal prima, hat aber einen gewaltigen Haken! Was Mitarbeiter(innen) von Banken oder Vermittlern gerne als "Beratung" bezeichnen, ist nichts anderes als ein knallhartes Verkaufsgespräch. Bei diesen Verkaufsgesprächen geht es am Ende ausschließlich darum, Ihnen "irgendein Produkt" (z.B. ein Darlehen) zu verkaufen. Und damit das gelingt, werden "Berater/-innen" speziell in Verkaufstechniken und Gesprächsführung geschult. Gerade bei großen Internetvermittlern gibt es "Verkaufsberater/innen", die wenig Erfahrung im Finanzierungsgeschäft haben, aber dafür mit Gesprächsleitfäden und Rhetorik-Crash-Kursen für die Gespräche mit Ihnen fit gemacht werden.

Provision statt Honorar?!

Die für Verbraucher kostenlose Beratung bei Vermittlern ist nur möglich, weil Banken, Bausparkassen usw. eine Vermittlungsprovision zahlen. Dieses System ist in Deutschland üblich und eigentlich auch völlig in Ordnung. Die Logik dahinter: die Darlehensgeber sparen durch die Vermittler viel Geld und eigenen Aufwand (z.B. für die Kundenwerbung, Mitarbeiter für die Kundengespräche usw. usw.). Diese Kostenersparnis nutzen die Banken für die Provisionszahlung in Höhe von ca. 1,0 bis 1,5% des Darlehensbetrages. Es gibt aber Banken, die Vermittlern höhere Provisionen anbieten und dafür dann im Gegenzug einen Zinszuschlag von den Kunden verlangen. Das kann im Einzelfall völlig in Ordnung sein (z.B. bei großem Aufwand und eher kleinen Darlehensbeträgen), aber einige Vermittler übertreiben es da leider und verlangen auch bei vergleichsweise normalem Aufwand höhere Bankprovisionen. In solchen Fällen sind Beratung und Vermittlung dann für den Verbraucher nicht mehr wirklich kostenlos.

Als Kunde können Sie sehr einfach nachvollziehen, wie hoch die Vermittlungsprovision ist. Diese muss nämlich im sog. "ESIS" der Bank ausgewiesen werden (Esis = Europäisches Standardisiertes Merblatt). Aber: in dem ESIS findet sich oft nur die Provision, die der "Abschlussvermittler" (Kundenberater) erhält. Arbeitet der für ein Finanzdienstleistungsunternehmen, bekommt das auch einen Anteil an den Provisionen, die dann im ESIS nicht immer ausgewiesen wird. Liegt die Vermittlungsprovision gem. ESIS über 1,50% bzw. maximal 2%, sollten Sie ggf. mit dem Vermittler nachverhandeln.

Ein Problem bei dem Provisionssystem: einige Banken zahlen umsatzabhängige Bonusprovisionen. Braucht der Vermittler Ihren Umsatz, um diesen Bonus bei einer Bank zu erreichen, kann es mit dessen Objektivität schnell vorbei sein.Die Kooperationspartner von baufi-nord erhalten ürbigens keine Boni. Wir wollten hier keine falschen Anreize schaffen.

Kostenlos aber nicht umsonst!

Eine echte und kundenorientierte Beratung ist bei einer Immobilienfinanzierung viel wert. Schließlich geht es hier für die meisten Verbraucher um das größte Finanzgeschäft in ihrem Leben. Und da sollte die Finanzierung schon zu einem passen. Das in Deutschland gängige Provisionssystem ist für Verbraucher insgesamt eine sehr faire Lösung. Allerdings gibt es - wie immer im Leben- auch Ausnahmen.