IW-Studie: Kreis Ostholstein wird zur Krisenregion gemacht

11.08.2019: das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat gerade eine aktuelle Studie vorgelegt zur Zukunft der deutschen Regionen veröffentlicht. Demnach gibt es in Deutschland 19 Regionen, die in den kommenden Jahren den Anschluss verlieren und zu echte Krisenregionen werden. Eine dieser Regionen ist der Landkreis Ostholstein in Schleswig-Holstein. Schaut man sich die Begründung an, kommen einem aner leichte Zweifel am Sinn und Unsinn dieser Studie.

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Als Baufinanzierungsberater interessiert man sich zwangsläufig für alles, was die Preisentwicklung bei Immobilien beinflussen kann, insbesondere wenn der Ort des Geschehens - oder in diesme Fall des möglichen Geschehens quasi vor der Haustür liegt. Also habe ich mir natürlcih auch angesehen, welche Regionen laut IW "auf dem absteigenden Ast sind" . Das IW macht seine Zukunftsprognosen vor allem an einer schwache Wirtschaft, einer alternde Bevölkerung oder einer schlechte Infrastruktur in den Regionen fest. Der Kreis Ostholstein, zu dem Orte wie Scharbeutz und Timmendorfer Strand gehören, fällt dabei allein wegen der Bevölkerungsentwicklung in die Kategorie "Krisengebiet". Und tatsächlich ist der Kreis Ostholstein der Landkreis mit dem höchsten Anteil an über 65jährigen in ganz Schleswig-Holstein. Der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe liegt bei 27,5% der Gesamtbevölkerung (Stand 31.12.12018). Und dieser Anteil soll bis 2030 auf 33% der Gesamtbevölkerung steigen.

Das lässt - ist man Statistiker- nur einen Schluss zu: die Bevölkerung in Ostholstein vergreist und die gesamte Region wird somit gnadenlos den Bach runtergehen. Wenn man allerdings kein Statistiker ist, kann man auch zu einem ganz anderen Schluß kommen. Dazu muss man sich einfach nur mal  ansehen, was hinter den Zahlen zur Bevölkerungentwicklung steckt. Und man muss sich darüber im Klaren sein, dass Ostholstein nicht im hintersten Winkel des Saarlandes, Brandenburgs, Sachsen oder wo auch immer sonst "der tote Hund verfroren ist" liegt.

Der Landkreis ist "Touri-Region", lebt also vernehmlich vom Tourismus. Aber Ostholstein ist nicht nur Anziehungspunkt für reine Feriengäste, sondern ganz besonders auch für Menschen, die dort ihren Lebensabend verbringen. Und da ist es nur natürlich, dass der Anteil der über 65jährigen an der Gesamtbevölkerung außergewöhnlich hoch ist und ggf. sogar noch deutlich ansteigt. Insoweit sind Bevölkerungssituation und -entwicklung kein Malus, sondern - im Gegenteil- Zeichen dafür, dass die wirtschaftliche Lage in den kommenden Jahren mindestens stabil bleiben dürfte.

Ostholstein dürfte sicher nicht darunter leiden, dass immer mehr ältere Menschen dorthin ziehen. Problematisch wird es nur, wenn dieser Zuzug zu einer "Syltisierung" führt. Und tatsächlich wurde und wird das Wohnen für viele Ostholsteiner in ihrer Heimat unbezahlbar. Dem versuchen Gemeinden wie Grömitz Einhalt zu gebieten, indem sie Veränderungssperren erlassen. Diese sollen verhindern, dass noch mehr Wohnungen in die Ferienvermietung gehen. Die Städte und Gemeinden an der Ostseeküste müssen sich nicht per se sorgen, dass die Bevölkerung immer älter wird. Sie müssen allerdings dafür sorgen, dass sich auch Jüngere und Familien das Leben dort noch leisten können, denn sonst werden der Tourismusbranche irgendwann noch mehr Arbeitskräfte fehlen - und das könnte dann tatsächlich zu wirtschaftlichen Problemen in den Tourismusregionen führen.

Ihr

Olaf Varlemann

Inhaber von baufi-nord.de

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