Bauunternehmen: Festpreis ist beim Hausbau nicht immer fest!

15.04.2021 Wenn wir in der vergangenen Wochen Kunden darauf hingewiesen haben, dass sie bei ihrem Bauvorhaben ggf. mit steigenden Kosten rechnen müssen, haben wir häufig gehört "Wir haben einen Bauvertrag mit Festpreisgarantie! Da kann nichts passieren!". Aber ist das tatsächlich so? Sind Bauunternehmen und Handwerker dauerhaft an ihre Angebote gebunden? Wie können Hausbauer steigende Personal- und Materialkosten auf Bauherren abwälzen? Und wie können sich Bauherren dagegen absichern?

Die meisten Bauunternehmen vereinbaren mit den Bauherren in ihren Bau-/Werkverträgen einen Festpreis. Aus Sicht der meisten Verbraucher garantiert das in jedem Fall, dass das Haus auch zu dem vereinbarten Preis gebaut wird. Was gerne übersehen wird: dieser Festpreis ist meist nur für max. 12 Monate gültig. Werden dann die 12 Monate zwischen Bauvertragsabschluß und Baubeginn überschritten, kann das Bauunterehmen einen "Nachschlag" verlangen. Dieser Zuschlag soll zwischenzeitlich gestiegene Material- und Lohnkosten kompensieren. In diesem Fall muss das Bauunternehmen allerdings die interne Kalkulation der Kosten offenlegen und die gestiegenen Kosten im Detail nachweisen.

Aktuell laufen Bauunternehmen und Handwerkern die Materialkosten davon. In der vergangenen Monaten sind allein die Kosten für (Konstruktions-)Holz um mehr als 100% gestiegen. Bauunternehmen und Handwerker, die vor Monaten Festpreise kalkuliert haben und jetzt mit den Arbeiten beginnen wollen, stehen jetzt vor einem Problem. Das erforderliche Baumaterial haben die Unternehmen i.d.R. nicht schon bei der Vertragsunterschrift eingekauft, sondern müssen es sich bei Baubeginn zu den heute bzw. dann gültigen Preisen beschaffen. Und das ist gar nicht so einfach, denn im Großhandel für Baumaterial gibt es derzeit gravierende Lieferengpäße. Das wiederum führt dazu, dass die die Preise unaufhaltsam weiter steigen.

Preisanpassungsklausel  Auszug Hausbauangebot

In der Folge dürfte das eine oder andere Bauunternehmen in Versuchung kommen, die gestiegenen Materialkosten auf die Bauherren abzuwälzen. Das könnte man unter anderem damit erreichen bzw. versuchen, dass der Baubeginn - trotz garantierter Bauzeiten und Fertigstellungstermin - so weit nach hinten geschoben wird, dass der Festpreis nicht mehr gültig ist. Das könnte man dann ggf. sogar mit den Lieferschwierigkeiten für das benötigte Baumaterial begründen (quasi als Art "höherer Gewalt"). Ob das rechtlich alles durchsetzbar ist, ist wieder eine andere Frage, mit der sich ggf. Rechtsanwälte und Gerichte herumschlagen müssen.

Bauherren müssen beim Hausbau ohnehin schon ein gewisses Kostenrisiko tragen. Dieses dürfte sich angesichts der aktuellen Lage noch verschärfen. Schließlich bringt es Bauherren auch nichts, auf dem Festpreis zu bestehen, wenn klar ist, dass das im schlimmsten Fall zur Pleite des Bauunternehmens führt. Damit hätte niemand etwas gewonnen. So manche Bauherren dürften also "die Kröte zähneknirrschend schlucken", statt auf ihrem Recht zu beharren. Allerdings muss man da auch nicht alles akzeptieren.

Unsere Tipps:

  • Lassen Sie Angebote und Verträge für den Hausbau bzw. Handwerkerleistungen immer von Fachleuten vor Vertragsunterschrift prüfen! Verlassen Sie sich dabei bitte nicht auf irgendwelche Google-Recherchen, denn da stoßen Sie meist auf veraltete Beiträge!
  • Wenn sich Kostensteigerungen ankündigen, holen Sie sich auch hier Rat von Fachleuten!
  • Planen Sie bei den Hausbaukosten einen ausreichenden Puffer ein, denn sog. Nachfinanzierungen sind teuer und können ggf. das gesamte Bauvorhaben gefährden (insbesondere, wenn Banken bei der Nachfinanzierung nicht mitspielen oder die daraus resultierenden Raten auf Dauer nicht tragbar sind)!
  • sog. "Bankberater", aber auch Baufinanzierungsvermittler wie wir, sind keine Fachleute für die Prüfung von Bau-, Kauf- oder Werkverträgen. Das sollten Sie Profis überlassen (unseren Kunden helfen wir gerne dabei, entsprechende Profis zu finden)
  • Wenn Sie diese Tipps in den Wind schlagen, erhöhen Sie Ihre Chancen, demnächst bei RTL2 als vermeintlich betrogene Bauherren in die Kamera heulen zu dürfen, enorm!

Ihr

Björn Siebert

Freier Baufinanzierungsberater in der Region Flensburg